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Dieses Thema hat 12 Antworten
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 Forum zu LV/FRT
rumburak Offline




Beiträge: 22
Punkte: 38

17.06.2016 15:07
LV in Küstenrichtung antworten

In Übungslagen war 3. LVD eine LVD in Küstenrichtung.
Thema: "Gefechtshandlungen einer LVD in Küstenrichtung zur Abwehr des Luftgegners zu Beginn eines Krieges,
die Planung und Verlegung über größere Entfernungen."

Dabei kamen dann Verlegeübungen JG-9 nach Marxwalde--- dafür JG-8 nach Drewitz
JG-2 nach Pütnitz

oder FRA nach Zingst, Goldberg, Pinnow..

Handelte damit im Krieg eigentlich im Bestand der "Küstenfront".

Torsten Offline



Beiträge: 27
Punkte: 39

17.06.2016 15:10
#2 RE: LV in Küstenrichtung antworten

Wir reden hier über 1. Hälfte der 1980ger Jahre und defacto Wegfall der polnischen Küstenfront. 1985 kam erstmalig ein KSÜ Ansatz: (mit meinen Worten),, Ersatz für die poln. Küstenfront durch Kräfte GSSD, NVA, Nordgruppe.

Lotse Offline




Beiträge: 20
Punkte: 24

17.06.2016 15:11
#3 RE: LV in Küstenrichtung antworten

Was war das Besondere an LVD in Küstenrichtung ? Außer Wasserfläche und Reflektionen bei Radarbild dadurch.

Ostwind Offline




Beiträge: 32
Punkte: 48

17.06.2016 15:12
#4 RE: LV in Küstenrichtung antworten

Da sind eben ganz andere Anforderungen und im Tiefflug sind Luftziele auf Radar mitunter nicht zu erkennen.
Außerdem handelten Truppen unterschiedlicher Nationalität in dem Raum.
Nicht zu vergessen, dass das 2. LVK PVA in x+2 Tagen im Gebiet der 3. LVD handelte.

Bleibtreu Offline



Beiträge: 18
Punkte: 18

28.09.2016 22:39
#5 RE: LV in Küstenrichtung antworten

Zur Organisation der Luftverteidigung in Küstenrichtung gehörte eine Verstärkung des Zusammenwirkens mit der Volksmarine und nach dem Rust-Flug auch eine Neuordnung.
Denn zwei Aspekte waren zu organisieren:
a) Schutz der milit. Hafenanlagen vor Luftangriffen
b) Verbesserung der Luftraumaufklärung über der Ostsee. Besonders im Tiefflugbereich. Weil dort Radaranlagen Probleme mit der Reflektion der Wasseroberfläche haben können.

Mit dem Aufwuchs von eigener Luftraumaufklärung auf den Schiffen und der umfangreichen Luftabwehrmöglichkeiten auf den Schiffen war dann zunehmen auch Abstimmung und Koordination erforderlich.

Der Punkt a) lässt sich ganz gut an der Verstärkung der Luftverteidigung um Raum Rügen aufzeigen.
Nachdem der Entschluß gefasst war, den Hafen Bug auszubauen um dort einen zentralen Hafen der Stoß-und Angriffskräfte zu schaffen. Plus Führungsstelle der Stoß-und Angriffskräfte in der Bunkeranlage Kap Arkona.
Extra dazu neu geschaffen : Fla-Raketen-Abteilung mit Komplex S-125 Lancken/Dranske und Fla-Raketen-Abteilung mit Komplex S-75 am Standort Neuenkirchen/Rügen.
Mit eingebunden war der Schutz des Fährhafen Mukran und der sich dort befindlichen Anlegestelle der Volksmarine.
Jedoch ursächlich für die Neuaufstellung der zwei Fla-Raketen- Abteilungen war der vorgenannte Grund Schutz der Stoß-und Angriffskräfte und ihrer Führungsstelle.
Dazu erhielt die 6. Flottille Bug Fernmeldeverbindungen des Zusammenwirkens nach....
..... FRA 4335 Lanken
..... FuTK 333 Putgarten ( 4 Leitungen )
..... GGS 9/33 Pudagla

Für die Koordinierung der Luftverteidigungsmittel waren Zonen gestimmt und die Koordination erfolgte über Befehlsstellen der Luftverteidigung.
Im Beispiel waren dazu entsprechende Fernmeldeverbindungen organisiert:
Der Gefechtsstand der 43. FRBr koordinierte mit Luftabwehr mit ...
....6. Flottille Bug
.... 4. Flottille Warnemünde und GS 4. Flottille Schwarzenpfost

Das JG-9 koordinierte die Luftabwehr mit ...
...1. Flottille Peenemünde Nord
... GS 1. Flottille Trassenheide
... Wolgast

Zu b):
Die zur Beobachtung des Seeverkehrs eingesetzten Kräfte der Volksmarine/ 6. GrBr Küste waren in das Luftraumbeobachtungssystem der Luftverteidigung eingebunden. Entdeckten Sie ein Luftfahrzeug, waren festgelegte Dienststellen der Luftverteidigung mündlich über Direktleitung zu informieren. Eine automatisierte oder teilautomatisierte Übermittlung zur Luftverteidigung erfolgte nicht.
Beispiele der Organisation:
TBK 69 Prerow ( zuvor GB-3 Graal-Müritz) meldete an FuTK 332 Saal
TBK 78 Boltenhagen ( zuvor GB-4 Tarnewitz) meldete an FuTK-233 Elmenhorst
TBK 74 Kühlungsborn meldete an FuTK-233 Elmenhorst
TBK 62 Arkona ( zuvor GB-2 Stubbenkammer) meldete an FuTK-333 Putgarten
GK-1 Bansin meldete an GGS 9/33 Pudagla.

Aufgabe unserer unserer LV-Radaranlagen war es dann, die Luftziele zu erfassen und in das Meldenetz der Luftlage automatisiert zu übertragen.


Eine zentrale Koordinierung der Aktivitäten zur Luftverteidigung erfolgte durch den territorial zuständigen GS-33 Cölpin mit dem TGS der VM Rostock-Gehlsdorf und dem HGS VM Tessin.
Ein Teilbeitrag war die Übertragung der Luftlage Ostseeraum mittels MIDA32 zum TGS Rostock-Gehlsdorf.

Eine ausgewählte Luftlage 1 erhielt der HGS VM Tessin mittels MIDA32 vom ZGS LSK/LV Fürstenwalde.
Eine zentrale Fernsprechleitung F/ZW war in Eggersdorf im Kommando LSK/LV auf Führungsvermittlung aufgeschalten.
Da die 43. FRBr in der 1. Reihe östliche Ostsee handelte, waren Fernmeldeverbindungen Zusammenwirken zum HGS Tessin organisiert. Im Krieg war 43. FRBr zentraler Koordinator.

Soweit meine Ausführungen.

Friedrich Offline



Beiträge: 26
Punkte: 30

18.01.2017 23:02
#6 RE: LV in Küstenrichtung antworten

Organisation des Zusammenwirken mit Volksmarine
Benachrichtigung über Luftlage:

Zur Benachrichtigung Luftlage verfügte VM über Funknetze 512/513.
Dort drin von VM : GS Gehlsdorf und/oder HGS Tessin, die Führungsstellen der Flottillen und 6. GBr. Küste.
Damit erhielten im Empfang auch die Schiffe auf See die Luftlage.
Mit dabei GS/WGS 3. LVD. Damit erhielt dort die 3. LVD die aktuelle Luftlage der Marine und sendete dorthin auch eine ausgewählte Luftlage der Küstenregion.

weiterhin noch Funknetz 553 = Flotteninformationsdienst und Warnnetz.

Ausgehend erhielten die höheren Führungsstellen der Flotte die ausgewählte Luftlage von LSK/LV.
Von 3. LVD direkt mittels MIDA und Funk.
Vom ZGS LSK/LV mittels MIDA und Funk 248/249.

rumburak Offline




Beiträge: 22
Punkte: 38

18.01.2017 23:05
#7 RE: LV in Küstenrichtung antworten

irgendwie stand als Aufgabe, beidseitig immer eine aktuelle Luftlage zur Verfügung zu stellen.

Auch interessant: Schiffe im Hafen unterstanden mit ihren Luftabwehrmitteln der Luftverteidigung des Landes. Also dem ZGS.
Schiffe auf See nicht da dort die Luftabwehrmittel zur Eigensicherung dienten.

Rainer Offline



Beiträge: 45
Punkte: 77

18.01.2017 23:07
#8 RE: LV in Küstenrichtung antworten

Wie kam dann die Luftlage von See auf Land ? Konnten ja nun nicht hundert Schiffe gleichzeitig auf einem Funknetz ihre Meldungen durch den Äther jagen.
Denn Erkenntnisse zur Luftlage war auch von See zum Gefechtsstand zu übermitteln.

Pit Offline




Beiträge: 119
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10.09.2017 14:11
#9 RE: LV in Küstenrichtung antworten

@Pirat schrieb:
Entscheidender Unterschied - nach dem Hoheitsgebiet/Seegrenze begann internationales Gewässer.
Da haben sich alle getummelt. Auch Flüge der NVA gingen z.T. außerhalb der eigentlichen Küstengewässer. Da konnten sich also beide Seiten schnell mal begegnen.
Auch sind die Aufklärer etc. bis an die Seegrenze heran geflogen.
Schließlich kann man sich über Wasser auch mal schnell etwas verfliegen, fehlende Bodenorientierung, Bodenmittel zur Funknavigation sind weit weg bzw. wegen der Flughöhe ist die Reichweite (z.B. quasioptische Sicht bei Funkfeuern) nicht ausreichend. Taktische Fliegerkräfte sind außerdem mit den Methoden der Langstreckennavigation nicht so vertraut, haben auch nicht die entsprechende technische Ausrüstung an Bord.
Und außerdem - wie vom Vorgänger beschrieben - über Tiefstflüge über See führen zu überraschendem auftauchen des Gegners im Ortungsbereich an allen möglich Stellen.
Radarortung - zumindest fallen Beeinträchtigungen durch Bodenhindernisse (bei guter Wahl der Standorte der FuMSt.) weg.
Dafür hat man öfter mal Probleme mit der Superrefraktion, Reflektionen an Inversionsschichten etc....
Das sind einige - aber sicher noch nicht alle - Aspekte, die die Besonderheit in der Küstenrichtung ausmachen.

Ein Beispiel zum Gegensatz dazu an der Landesgrenze:
beiderseits der Grenze gab es einen Streifen mit Flugbeschränkungen, Einflugverboten - den Grenzsprerrstreifen bzw. die ADIZ.
Und dieser Sperrstreifen hat beide Seiten ganz gut getrennt und für beide Seiten für Übersicht und Kontrolle gesorgt.
Dieser Sperrstreifen wurde eingehalten - wie auf nachfolgendem Bild der objektiven Kontrolle einer FuMSt. am Standort Sprötau zu sehen ist.
Stellt Euch mal vor, diesen Streifen hätte es nicht gegeben und das Gewussel wäre bis an die Grenze gegangen. Da konnte keine Seite ein Interesse dran haben.

Pit Offline




Beiträge: 119
Punkte: 155

10.09.2017 14:12
#10 RE: LV in Küstenrichtung antworten

Zitat von Lotse im Beitrag #3
Was war das Besondere an LVD in Küstenrichtung ? Außer Wasserfläche und Reflektionen bei Radarbild dadurch.

@Pirat schrieb:
Und die wichtigste Besonderheit:
an der Küste handelte die LVD in der ersten Staffel der Luftverteidigung, im Südraum in der zweiten Staffel der Luftverteidigung.

Alphabet Offline



Beiträge: 49
Punkte: 77

10.09.2017 14:26
#11 RE: LV in Küstenrichtung antworten

Und wegen dieser von @Pirat benannten Besonderheit kamen zweite Hälfte der 80ger Jahre enorme Änderungen in der operativen Führung- denn die erste Staffel befehligte die Sowjetarmee.

Ein nächster Aspekt wäre die Neuordnung der Luftverteidigungskräfte in Westrichtung ab 1987/88.
Hier war der zentrale Punkt: die Kräfte der 3. LVD unterstanden operativ nicht mehr der Führung der LSK/LV NVA.
Sondern dem ZGS für den Ostseeraum Legnica und das über dem sowjetischen LV-Gefechtsstand westliche Ostsee in Wittstock.
Daraus folgte, 3. LVD war in den Führungsfunknetzen der LSK/LV NVA nicht mehr vertreten. Wie FuN 008 (Führung LSK/LV) oder FuN 402/402U war out oder FuN 411 (Warnung LSK/LV mittels Funkfernschreib).

Im FuN 008 war dann nur noch MfNV + ZGS LSK/LV (ZWGS) + GS/WGS 1. LVD.
FuN 402/402U wurden bei höheren Stufen GB bei uns nicht mehr geführt.
FuN 411 war dann mit ZGS/ZWGS (Sender) und Empfänger waren GS/WGS 1. LVD+41.FrBr+51.FRBr+FRR-5 + alle GGS JG/FuTB
( Wie ihr seht, war FRR-5 Basepohl nicht mehr im LV-System bei der 3. LVD integriert.)

Anmerkung: Diese Umunterstellung von Käften und Mitteln der 3. LVD gab es auch schon vor oben genannten Neuorganisation. Ab bestimmten Stufen der höheren GB führte der LV-Gefechtsstand Wittstock sämtliche LV-Kräfte der Gruppierung Norden, zu der auch die 3. LVD gehörte.
Mit der Neuorganisation erfolgte operative Umunterstellung bereits in der ständigen Gefechtsbereitschaft des DHS der Luftverteidigung.

Creme21 Offline



Beiträge: 10
Punkte: 10

10.09.2017 14:51
#12 RE: LV in Küstenrichtung antworten

Zur Vollständigkeit möchte ich ergänzen:
Durch den ZGS (ZWGS) der NVA LSK/LV erfolgte operative Führung der Luftverteidigung im DHS mit:
GS/WGS 1. LVD
41. FRBr
51. FRBr
FRR-5
alle JG/FuTB im Raum 1. LVD
FuTB-41 in Sonderstellung
FRR-3
FRR-4
FRR-7
FRR-11
FuTB-3

Bleibtreu Offline



Beiträge: 18
Punkte: 18

10.09.2017 23:59
#13 RE: LV in Küstenrichtung antworten

Ich finde in anderen Foren auch die Frage: Wer entschied bei Luftraumverletzung wessen Jagdflugzeuge GSSD oder NVA starteten.
In der Regel antworten User (West)- dies das ja eindeutig wissen - UK20 Wünsdorf.

Falsche Antwort- 6- setzen.

Die Zuständigkeit lag erst einmal in der ersten Staffel der Luftverteidigung. Und das war in der DDR grundsätzlich immer die GSSD.
Eine Einsatz-Entscheidung kam von dem zuständigen Luftverteidigungsgefechtsstand. Für den Ostseeraum war das der sowjetische Luftverteidigungsgefechtsstand Wittstock.
Dieser hatte einen Verband ganz vorne im Handlungsraum Ostsee- das war die 16. Garde-Jagdfliegerdivision Damgarten.

Wenn nun ein Flugkörper im Ostseeraum zu begleiten, aufzuklären oder zu bekämpfen war, dann war dies allein Aufgabe der 16. GJFD.
Also starteten immer zuerst die sowjetischen Jagdflieger.
Der Gefechtsstand der 16. GJFD verfügte über direkte Sprechverbindungen zu (NVA) FRR-13 Parchim, 43. FRBr Rövershagen und GS-33 Cölpin. Über diese Sprechverbindungen erfolgte die Abstimmung.
Grundsätzlich startete kein Jagdflugzeug des JG-9 Peenemünde (Zuständigkeit Ostsee) ohne das GO der "Freunde".

Wir kennen Fälle von plötzlichem Einflug von Phantom z. Bsp. über Rügen und Alarmstart JG-9.
Dann handelte der DH GS-33 mit "Start JG-9" über die Direktleitung zum gGS 9/33 Pudagla sowie über die Direktleitung zur 16.GJFD.
In jedem Fall kamen dann etwas verzögert auch sowjetische Jäger aus Damgarten oder von der Nordgruppe in Polen.

Selbst UK20 Wünsdorf und ZGS Fürstenwalde plotteten dann nur den "Start JG-9" mit. In der Regel fällt dort keine Einsatzentscheidung.
Lediglich das letzte Mittel "Abschuß" musste vom UK20 Wünsdorf kommen.

Jeder Verband verfügte im Handlungsraum über Jägerleitstellen. So auch 16.GJFD Damgarten.
Der GS-33 Cölpin hatte eine Jägerleitstelle beim GS FRR-13 Parchim und beim GS 43. FRBr Rövershagen. Das JG-9 hatte seine Jägerleitstelle an der FuTK Putgarten/Rügen. Welche Jägerleitstelle hätte den o.g. Alarmstart geführt ? Putgarten.
Insbesondere die Jägerleitstelle Rövershagen war für die automatisierte Jägerleitung durch das aktuelle AFS der 43. FRBr ausgelegt. Zuletzt war AFS "Senesh" im Einsatz. Weil das AFS die Zielzuweisung der Luftziele übernimmt, welche Luftziel durch Fla-Raketen und welches Luftziel durch Jagdflugzeuge zu bekämpfen ist.
Das Senesh hatte zudem eine Datenleitung direkt zum Flugplatz Peenemünde und konnte Starts automatisiert auslösen.

Eine weitere Besonderheit war die 43. FRBr mit ihrem Handlungsraum in der ersten Staffel im Bereich der 16.GJFD. Hier handelte die Brigade immer auf Weisung 16.GJFD und war im E-Fall sogar aus der Befehlskette der 3. LVD NVA herauszulösen.

Wer also schreibt, in Sachen Einsatz oder Jägerleitung erfolgte keine Abstimmung zw. GSSD und NVA ist auf völligem Holzweg.

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