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 Historisches
Frank1 Offline



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Punkte: 406

15.07.2016 14:02
Köpenick-Berlin antworten

Da habe ich noch eine schöne Geschichte » Auszug aus einem Web·Blog von ‘Manfred Schenk’ über ein Erlebnis mit Generalmajor a.D. Hiemann, vor langer, langer, Zeit gesichert (da hat das Internet noch mit Buschtrommeln funktioniert).

Fall II » Köpenick in Tempelhof ? » 1990

Das Schicksal wollte es, dass ich im Sommer 1957 nicht zum letzten Mal als „zeitweiliger Gast“ in einem Arrestlokal der USAFE verweilen sollte. Im Jahr der Wiedervereinigung, also zweiunddreißig Jahre später, schickte mich das Verteidigungsministerium am 16.08.1990 als Vertreter der Bundeswehr nach Berlin, wo Verhandlungen zu Luftfahrtsfragen zwischen den Vier Mächten und den beiden deutschen Staaten auf Gesandtenebene in Berlin beginnen sollten. Besprechungsort der 1. Beratung war der militärische Teil des Flughafens Tempelhof, damals noch fest in der Hand der USAFE. Da ich mich wegen des im Westen immer noch sorgsam behüteten Berlinstatus mit dem Y-Kennzeichen meines Bw-Dienstwagens nicht in die Westsektoren begeben durfte, umfuhr ich Westberlin über das DDR-Straßennetz und parkte den Dienstwagen im Verteidigungsministerium der DDR, das mir bereits aus Besprechungen der vergangenen Monate vertraut war. Dort hatte ich mich mit meinem „Counterpart“ von der Nationalen Volksarmee (NVA), Generalmajor Dr. Günter Hiemann, verabredet, der die DDR bei den Gesprächen in Tempelhof als militärischer Repräsentant vertreten sollte. Seine Position entsprach in etwa der, die bei der Bundeswehr der Leiter des Amtes für Flugsicherung innehatte. Er erwartete - anders als ich mit dem Bundeswehr-Pkw - keine Schwierigkeiten, wenn er mit uns in seinem NVA-Dienstfahrzeug (Wartburg) über die Zonengrenze nach Westberlin führe. Doch der Ostdeutsche kannte Sturheit und Beharrungsvermögen von USAFE - Dienststellen noch nicht gut genug; er sollte sie bald besser beurteilen lernen.

Die Grenzen zwischen dem Osten und den Westsektoren wurden in der Tat nicht mehr kontrolliert. Ohne Probleme hatte sich unser Fahrer, ein Hauptmann aus dem Stab von GenMaj Dr. Hiemann, bis zur Hauptwache Tempelhof durchgefranzt. Dort fand unsere Reise jedoch schon an der Schranke des Kasernentors ein vorläufiges und abruptes Ende. In der Tempelhofanlage galten immer noch die scharfen Sicherheitsvorschriften aus der Zeit des kalten Krieges Danach war es nicht vorgesehen, dass ein Fahrzeug mit Militärkennzeichen der DDR-NVA in Westberlin herumfuhr, geschweige denn Einlass in eine US-Kaserne begehrte. Auch hatten es unsere alliierten Freunde in Ramstein offenbar versäumt, die Teilnahme von Offizieren der Bundeswehr und der NVA an der internationalen Verhandlung auf Tempelhof anzukündigen. So fiel der Wachtposten – übrigens ein eifriger deutscher Zivilbediensteter - vollends von Glauben ab, als er aus unseren Dienstausweisen erfuhr, dass mit dem NVA-Pkw ein Oberst der Bundeswehr von einem leibhaftigen Generalmajor der DDR in die US-Kaserne geschleust werden sollte. Hier tat sich offensichtlich ein Abgrund von Landesverrat auf. Und dreist war das Verhalten der beiden obendrein. Es mag dem verunsicherten Sicherheitsbeamten auch durch den Kopf geschossen sein, dass er Opfer einer zeitgenössischen Köpenickiade werden könnte. So mussten wir aussteigen und wurden höflich und bestimmt in einen Raum der Wache gebeten, der mit den mir schon aus 1957 bekannten Fensterverzierungen aus Metall versehen war. Die Tür schloss sich hinter uns, da man unsere Beteuerungen, wir würden als Besprechungsteilnehmer bereits erwartet, keineswegs akzeptiert wollte. So verstrichen etwa dreißig Minuten; wir hatten bereits den pünktlichen Beginn der Beratungen verpasst, als ich plötzlich durch das Fenstergitter einen mir bekannte Lieutenant Colonel aus dem Hauptquartier der USAFE vorbeieilen sah, Bill Droke. Er sollte im Auftrag der Beratungsleitung (1. Sitzung: USA) herausfinden, wo denn die avisierten militärischen Vertreter aus beiden deutschen Staaten blieben. Ich machte mich mit lautem Klopfen und Rufen bemerkbar; so wir wurden unverzüglich von Bill „befreit“, dem das Ganze sichtlich peinlich war. Wenige Minuten später konnten wir eilig und erleichtert den großen ovalen Besprechungsraum im Flughafengebäude betreten, wo man bereits ungeduldig auf uns wartete. Westdeutscher Verhandlungsleiter war ein Gesandter aus dem Auswärtigen Amt, Bonn, Ernst Jörg von Studnitz. Der Diplomat empfing uns mit einem knappen, eisigen Kommentar, der sich auf die sprichwörtliche Pünktlichkeit von deutschen Militärs bezog. Sie sei auch nicht mehr die, welche man früher gekannt und geschätzt habe. Am Abend entschuldigte er sich bei uns beiden wegen seiner auf voreiligen, irrigen Annahme beruhenden „undiplomatischen“ Kritik, als er schließlich über die ungewöhnlichen Umstände unserer Verspätung aufgeklärt worden war. Diese entbehrte rückblickend nicht einer gewissen Komik. Die nächsten Verhandlungstage behandelte uns v. Studnitz mit besonderer Zuvorkommenheit, und auch beim Passieren der amerikanischen Wache gab es für die Militärs aus beiden deutschen Teilen fortan keine „Sonderbehandlung“ mehr.

About Me » Manfred Schenk, Papenburg, Niedersachsen, Germany

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