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Dieses Thema hat 9 Antworten
und wurde 57 mal aufgerufen
 Flugsicherung
Andy Offline




Beiträge: 224
Punkte: 316

08.11.2017 23:27
Funkfeuer Burg antworten

Andy schrieb:
Irgendwann um 1985 wurde von und ein Funkfeuer in Burg bei Magdeburg montiert. Es handelte sich hierbei um die Fallschirmjägerausbildungsbasis 40 (FJABas-40). Das Objekt war relativ schwer zu finden so das wir uns an aus weiter Entfernung sichtbaren Sprungtürmen orientierten. Diese gehörten aber der GSSD.

Doch noch auf der Basis angekommen konnte dort 1x PAR 8 installiert werden. Steuerung über Draht aus dem kleinen Tower. Ungewöhnlich war das das FF nicht zum Landeanflug genutzt wurde. Es befand sich unmittelbar in Bahnnähe und außerhalb der Anfluglinie. Es diente lediglich für den Anflug des Absetzpunktes. Zum Platz hätte damit aber jede AN oder Hubschrauber gefunden solange noch etwas sicht da war.

Bei mil airfilds werden die Platzfunkfeuer wie folgt angegeben. Die Bereitstellung kann bei Bedarf nur über eine mobile PAR 8 erfolgt sein, welche auch vor Ort war.

Station Freq. Kennung Position
PFF 920,5 UZ
PFF 279,5 ZU Krähenberge, am TP 77,7

In Erinnerung ist mir noch die super Disziplin und der Respekt welcher dem Chef des Platzes gehörte. Jemand der einem auch bei der installation eines Funkfeuers jegliche Unterstützung organisierte. Lobenswert auch das super Essen auf dieser Basis. Was man uns dort für 3 Personen zum Abend auf den Tisch stellte :o

Erstaunlich war das diese kleine Dienststelle sogar in Burg relativ unbekannt war. Die AN 2 war eigentlich nicht zu übersehen und zu überhören. Wir hatten jedenfall unsere liebe Not einmal einen Taxifahrer zu überreden das er mit uns den Weg durch die Heide zum Tor fährt. Er meinte dort geht es niergendwo hin.

Die Ausbildung wurde kurz nach der Wende eingestellt und das Funkfeuer PAR 8 im NFWL 14 geortet.

Walter Offline




Beiträge: 10
Punkte: 14

08.11.2017 23:30
#2 RE: Funkfeuer Burg antworten

Ihr habt auch da etwas Gutes getan, ihr habt die Errungenschaften mit Schützen helfen. Es war mit eine der geheimen Ausbildungsbasen einer der Elitetruppen, der (wenigen) Fernaufklärer der NVA » Zitat Thomas, Fernaufklärer a.D. »

Zitat
Unser wesentliches „Equipment“ bestand aus fünf sowjetischen Geländewagen vom Typ UAZ-469- B mit moderner Einkreisbremsanlage (die zum Ärger des cholerischen Stabsfähnrich **** bei keiner der Kisten richtig funktioniert hatte), sowie tragbaren Funkgeräten vom Typ SEG15D (VEB Funkwerk Köpenick (in Geometrie und Masse heutigen PC´s ähnlich). Die einklappbare Kalaschnikow KmS- 72, Pistole Makarow und Kampfmesser stellte unsere Bewaffnung dar.

Nebenbei der sowjetische Mi- 8 Hubschrauber und das gewisse Etwas an Elitebewußtsein.

Die „Highlights“ waren neben armeetypischem Disziplinierungsdrill und Waffenhandwerk unsere Lehrvorführungen und Taktikkomplexe. Das waren tage- und kilometerlange Orientierungsmärsche allein oder in Gruppe mit Aufgaben in einsatztypischen Situationen, von denen u.a. Skiläufe, Schneehöhlen- Schlafstätten, Lebendviehverpflegung, geschwärzte Gesichter und wunde Füße noch heute in Erinnerung sind.

Bei einem solcher Wandertage hatte Uffz. **** ein VS- Kartenblatt verbummelt; es wohl für hinterlistige Zwecke mißbraucht. Als später in der Dienststelle der Verlust des Geheimmaterials aufflog, wurde er zur bedingungslosen Wiederauffindung verdonnert. Nach längerer Suchfahrt durch die mecklenburgischen Wälder wurde der Kackhaufen tatsächlich wiedergefunden und der Fetzen, auf der noch warmen Motorhaube des UAZ behutsam entfaltet, schonend getrocknet. Leider war es nicht das vermißte Kartenblatt; der Verlust an Kampfkraft und Gefechtsbereitschaft blieb also. Und unser Kommandeur arretiert 3 Tage in der Kaserne.

Zum Bau von Erdhöhlen in der getarnten Wald– Basis hatte sich der „Artillerie- Knallkörper G“ bewährt. Für deren Anwender damit die sog. „Gustav- Taufe“, die nicht sehr beliebt war obwohl sie gute Überlebenschancen bot, denn die Zündkabel dieser pyrotechnischen Spaßladungen (1 kg Bariumnitrat + Magnesium mit Sofort- Zündung) waren immerhin zwei Meter lang.

Es war einer der Höhepunkte unserer soldatische Stimmung, als sich Unteroffizier **** aus den baumwipfelrauschend niedergegangenen Sandmassen freibuddelte, nachdem er unter Verwendung einer Funkgerätebatterie wie ein Selbstmord– Attentäter den Stromkreis geschlossen hatte.

Zur strukturmäßigen Ausbildung gehörten das Fallschirmspringen und auch das Hantieren mit Spreng- und Brandmitteln. Die Herstellung von „Hausfrauen“- Napalm, das sich nicht abwischen, sondern nur breitschmieren läßt, ist nicht die einzige dort erworbene Fähigkeit, die kreative Zivilanwendbarkeit bietet, etwa als Grillkohleanzünder.

Der Verzicht auf die Schutzmaske beim Überwinden der Brandbahn läßt Eggesin- Karpin nicht gerade als Luftkurort in der Erinnerung zurück. Heute wissen wir, daß die elenden Reizgaskörper Phenacylchlorid und Hexachlorcyclohexan enthalten hatten; eine signifikante Krebsursache würde sich Jahrzehnte später ohnehin schlecht erkennen lassen.

Die Lehrfrage Objekteinnahme hatte gezeigt, daß ich zum Killen von Brückenposten leider ungeeignet bin. Bei der Überquerung des Flüsschens Uecker blieb ich in derem Schlamm stecken, beim Anschleichen schreckte ich ein Reh auf, das auf den Posten zurannte, danach bekam ich einen lautstarken Niesanfall und beim entscheidenen Sprung blieb ich mit dem Fuß am Weidedraht hängen und hieb das Gummimesser in die Luft anstatt in die Niere des Reservisten, der auf der Brücke Wache stand.

Unsere Sprungausbildung ist unter Anleitung von Angehörigen der Fallschirmjäger der NVA in deren Ausbildungsbasis FJAB- 40 bei Burg (Sachsen- Anhalt) erfolgt. Ein sog. Sprunglager dauerte zwei Wochen, in denen wir unter Geheimhaltung feldmäßig trainiert hatten; die erste Woche Theorie und Bodentraining, den Rest erlebten wir größtenteils aus der Vogelperspektive, wenn wir aus der Mi- 8 , der AN-2 oder aus der AN- 26 abgesprungen sind. Gesprungen wurde der Rundkappenschirm RS9-2A mit dem Rettungsschirm BE-2, wie er auch zum realen Einsatz bereitlag.

Es war schon aufregend, als sich uns der Antonow- Doppeldecker ohrenbetäubend lärmend näherte und schließlich auf der SLB landete. Kerosingeruch wehte heran; es wurde ernst. Einsteigen, zugewiesene Plätze auf den blechernen Klappsitzen einnehmen. Der Motor brummte los, die Kiste setzte sich auf der Stoppelpiste in Bewegung und schoß in die Höhe. Auf 250 m Höhe Einhängen unserer Zugleinen in die Vorrichtung des Flugzeuges, denn erst ab dieser Höhe durfte gesprungen werden. Auf 600 m wurde die Tür aufgerissen; ein kräftiger Klaps des Ausbilders auf meinen Rücken trieb mich heraus und fetzte mich ins Freie. Der Lärm verstummte, das Flugzeug verschwand im Nirvana der Himmels, und knapp zwei Minuten später landete ich erstaunlich sanft im Dreck ...

Rolf Offline



Beiträge: 11
Punkte: 15

08.11.2017 23:32
#3 RE: Funkfeuer Burg antworten

Es gab schon interessante Dinge. In dieser Basis war es wohl auch üblich alles mitzubringen was man braucht. Das ging sogar soweit das die übende Truppe selbst ihren Koch mitbrachte und so die Verpflegung in einer eigenen Küche sicherstellte die mehr oder weniger den Eindruck eines Provisoriums mit Feldküche machte.

Fred Offline



Beiträge: 30
Punkte: 30

08.11.2017 23:34
#4 RE: Funkfeuer Burg antworten

FF02 schrieb:
Guten Abend in die Runde,

man, die interessanten Beiträge hier, reißen nicht ab.
Funkfeuer Burg ist wieder so eine Station, zu der es in meinen Unterlagen noch Lücken gibt.
Nach dem "Verzeichnis 012" (meiner einzigen Quelle) gab es zwei Funkfeuer am Flugplatz Burg.
Eine am Platz wohl ständig aufgebaut, die andere (Krähenberge - ca. 1,5 km östlich des Platzes) nur bei Bedarf entfaltet.

Zitat von Andy
...konnte dort 1x PAR 8 installiert werden. Steuerung über Draht aus dem kleinen Tower ...Es befand sich unmittelbar in Bahnnähe und außerhalb der Anfluglinie...



@Andy, könntest Du den Standort der Anlage am Platz bitte noch etwas präzisieren (eventuell mit GE)?
Wurde das Funkfeuer stationär aufgebaut, oder nur verlastet in Betrieb genommen? Die Antenne sicherlich nur mit 5-m-Masten...
Steuerung über Draht vom Tower aus. Meinst Du FCS-421 damit?

Für den oben genannten, zweiten möglichen Standort (Krähenberge), gab es da einen separaten Gerätesatz, oder zog die "Platzanlage" um?

Andy Offline




Beiträge: 224
Punkte: 316

08.11.2017 23:36
#5 RE: Funkfeuer Burg antworten

Andy schrieb:
Das Funkfeuer welches wir installierten war fest errichtet. Ein kleines gemauertes Häusel, etwa 2x2,5 m aus Stein, darin die PAR 8 und eingezäunt. Es müsste folgende markierte Stelle gewesen sein ... wie es scheint das Häusel steht noch. Nicht wundern - ich habe das Bild gewechselt. Das zuerst gepostete war nicht möglich

Die Gegengewichte waren überirdisch an Zaunpfählen aus Beton und die Antenne in 5 m Höhe.

Bedient und gesteuert wurde alles ohne FCS. Also eine Vieldraht Fernbedienung. Dieses Funkfeuer konnte also nicht umziehen.

Sicher ist das es auf dem Platz noch eine mobile PAR 8 gab. Diese habe ich selbst gesehen.

Fragen nerven mich hier nicht .,.. ist doch super interessant etwas zusammen zu sammeln.

Ob wir hier auch den MRM 48 installierten ????

Angefügte Bilder:
Sie haben nicht die nötigen Rechte, um die angehängten Bilder zu sehen
Fred Offline



Beiträge: 30
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08.11.2017 23:38
#6 RE: Funkfeuer Burg antworten

FF02 schrieb:
Hallo Andy,

... na, super - danke für die aufschlußreichen Informationen! An diesem Ort auf dem Flugplatz hätte ich die Anlage mit Sicherheit nicht vermutet.

Zitat von Andy
... Fragen nerven mich hier nicht .,.. ist doch super interessant etwas zusammen zu sammeln.

Ob wir hier auch den MRM 48 installierten ????



Schön, daß Du das so entspannt siehst. Es ist schwer genug, einen kompetenten Ansprechpartner für dieses spezielle Thema zu finden. Und Fragen gibt es dazu reichlich...

Fred Offline



Beiträge: 30
Punkte: 30

08.11.2017 23:39
#7 RE: Funkfeuer Burg antworten

FF02 schrieb:
Markersender ja oder nein (das wäre meine nächste Frage gewesen )
Ich weiß es nicht, vermute aber, ausgehend von der Aufgabe des Funkfeuers, daß der (die) MRM entfaltet gewesen sind.
Der Radiokompaß liefert bei einem Funkfeueranflug nur einen Zielkurs und keine Entfernungsangabe. Eine genaue Ortsbestimmung (da, wo die Jumper vielleicht abspringen sollten) liefert aber der Marker...

Andy Offline




Beiträge: 224
Punkte: 316

08.11.2017 23:42
#8 RE: Funkfeuer Burg antworten

Andy schrieb:
Genau aus den von dir geschilderten Gründen bin ich gestern am Abend auf die Gedanken an den MRM 48 gekommen. Er muss einfach dabei gewesen sein ... leider ist auf der Luftaufnahme nichts an Fundamentresten etc. ersichtlich.

Fred Offline



Beiträge: 30
Punkte: 30

08.11.2017 23:43
#9 RE: Funkfeuer Burg antworten

FF02 schrieb:
ein großartiges Fundament hatten doch die Marker nicht - beim MRM-48 war das doch nur dieses Lochblech als Reflektor und die beiden kleinen Dipole darüber. Also sehr unscheinbar.

Es gibt aber noch eine Variante ohne Marker.
Anflug des Funkfeuers - das Überfliegen der Station sieht ja der Pilot an seinem Zeigerinstrument des Radiokompass - und dann neuen Kurs mit Stoppuhr (nach Vorgabe vielleicht). Das klappt auch punktgenau...
Ist allerdings nur Spekulation.

Andy Offline




Beiträge: 224
Punkte: 316

08.11.2017 23:44
#10 RE: Funkfeuer Burg antworten

Andy schrieb:
Wenn wir das Lochblech irgendwo installiert haben, kam es auf eine Platte aus Beton oder wenigstens punktuelle Fundamente. Musste oder sollte ja 100 Jahre halten. Ich kann mich noch erinnern das man uns teilweise riesige Betonplatten in Größe des Reflektorbleches des MRM 48 mit einer Betonpumpe errichtet hat, da man dachte da kommt ein MRM 48 hin. Hätte man einen Panzer abstellen können ... Und dann kamen wir mit dem kleinen MRM 70 ... Fundamentgröße 80x80 cm.

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